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Pyronale 2008: Bezahlt, um belehrt zu werden

Montag, 8. September 2008 by Oberficker

Auch dieses Jahr sind wir auf die Pyronale (das bekannte Weltmeisterschaft-Spektakel für Feuerwerk) an das Olympiastadion in Berlin gefahren. Nun bereits das dritte Mal, denn bisher wurden wir nie enttäuscht und die weite Anfahrt hat sich gelohnt. Dieses Mal (Sa, 06.09.2008) allerdings war alles anders.

Bereits am Eingang wollte der Einlasser einen Blick in den Rucksack werfen und beanstandete unsere kleine Plastik-Wasserflasche. „Die ist gefährlich, deswegen entweder zum Auto zurückbringen oder in der Mülltonne entsorgen.“ Kleine Diskussion mit ihm geführt, denn der aufgrund des unbeständigen Wetters mitgebrachte Schirm mit gaaaanz gefährlicher Metallspitze ist wohl eher ein Mordinstrument, außerdem gab es in den vergangenen Jahren auch nie ein Problem damit. Schlüsselbund (spitz), Feuerzeug (Brandstifter?) und Reizgas (Aua!) übersah er, bzw. wollte er nicht sehen. Unsere Argumente interessierten ihn nicht, also entsorgen wir unser Getränk gem. dieses ignoranten Kerls und „freuten“ uns darauf, die überteuerten Preise für Getränke auf dem Gelände zahlen zu dürfen.

Wir suchten unseren Stammplatz auf, um das in einer Stunde beginnende Feuerwerk bestaunen zu können. Wir bauten (wie in den vergangenen Jahren) unsere kleinen, zusammensteckbaren Strand-Stühle (keine Küchen-Klappstühle, sondern zusammenrollbare Steck-Stühle) auf und genossen ein teuer erworbenes Bier. 45 Minuten später erschien ein Sicherheits-Mitarbeiter und muckierte sich in oberlehrerhafter Art und Weise über unsere Sitzgelegenheit. „Das ist nicht erlaubt, die Stühle müssen eingepackt, entweder am Eingang abgegeben oder zum Auto gebracht werden.“ Wir konnten dieses lustige Kerlchen in hässlicher orangefarbener Warnweste gerade noch dazu überreden, die Stühle zwar einzupacken, jedoch vor Ort zu bleiben (Feuerwerk sollte in ca. 10 Minuten beginnen) und sie nicht wieder aufzubauen. In all den Jahren, die wir auf der Pyronale waren, war es NIE ein Problem, auf unseren kleinen, harmlosen Stühlen zu sitzen, sehr viele andere Besucher durften dies ebenso. Wir hatten, wie in jedem Jahr die sog. „Stehplätze“ für 18,- EUR (zuzügl. saftiger Vorverkaufs-Gebühren) gekauft. Stehplatz bedeutet für jeden klardenkenden Menschen, dass einen kein Stuhl vor Ort erwartet, aber schließt nicht automatisch aus, dass man sich nicht hinsetzen darf. Selbstverständlich haben nicht alle Besucher der „Stehplätze“ gestanden. Sehr viele saßen diesmal auf mitgebrachten Decken, Plastiktüten und Ähnlichem – so eine Picknick-Decke nimmt aber bei weitem mehr Platz ein und stellt eine Stolpergefahr im Falle einer Panik dar, als so ein kleiner Stuhl, der ganz am Rand neben einer ca. 4 Meter hohen Mauer stand und somit gar nicht im Weg sein kann. Bei einer mitgebrachten Wohnzimmer-Couch hätten wir das Theater noch verstanden.

Unser persönliches Fazit:
Auch wenn das Feuerwerk wieder toll war, das Drumherum war diesmal ätzend. An uns verdient die Pyronale so schnell kein Geld mehr, denn hier scheint -typisch deutsch- unter dem Deckmantel der „Sicherheit“ unserer Meinung nach die Regulierungs- bzw. Belehrungswut und Geld-Geilheit eingezogen zu sein. Zuerst die Frechheit, uns eine lächerliche Plastikflasche abzunehmen, um besser überteuerte Getränke an uns verkaufen zu können. In den letzten Jahren kaufen wir pro Person mindestens 2 Bier und eine Cola – diesmal blieb es allein schon aus Prinzip bei einem Bier. Ergebnis in unserem Fall: Kunde verärgert, weniger Umsatz gemacht.
Dann die Frechheit, uns zu nötigen, uns auf den nackten Boden (durch ständige Regenschauer klatschnasse Wiese, bzw. betonierter Weg) zu setzen, bzw. die ganze Zeit stehen bleiben zu müssen. Man war wohl sauer, dass die vom Veranstalter dieses Mal in deutlich erhöhter Anzahl angebotenen Tribünen-Sitzplätze für stolze 38,- EUR bei weitem nicht ausgebucht waren und zahlreiche „offizielle“ Sitzplätze daher leer blieben. Aber auch hier werden wir aus Prinzip keinen Zusatzumsatz für einen Tribünenplatz machen, denn nächstes Jahr lassen wir auf der Pyronale KEINEN Euro! Und an der (katastrophalen) Moderation, sowie der (eigentlich nicht vorhandenen) Publikumsunterhaltung in den teils langen Wartezeiten vor und zwischen den Feuerwerken wurde auch nicht wirklich gearbeitet. Hier haben die Veranstalter in den Jahren offenbar nichts gelernt, bzw. ihr Konzept professionalisiert und investieren die Mehreinnahmen aufgrund gestiegener Eintrittspreise offenbar nicht in die Unterhaltung ihrer Gäste, denn in den Pausen nur nervige, dröhnende Musik aus den Boxen abzuspielen, ist Kindergeburtstags-Feeling.

Das Höhen-Feuerwerk kann man sich übrigens auch sehr schön auf öffentlichem Straßenland VOR dem Olympiastadion oder vom Teufelsberg aus anschauen. Ganz umsonst!!! Und hinsetzen darf man sich auf öffentlichem Straßenland ebenso, sogar auf einen Stuhl und mit der mitgebrachten Plastik-Wasserflasche in der Hand. Und wenn man unbedingt aufs Gelände will, vergräbt man ein paar Tage vorher einfach ein paar Bier auf dem Maifeld, buddelt sie beim Event wieder aus und umgeht so die Preistreiberei. Nur mal so als Tipp an die geizigen Leser dieses Blogs 😉

Ach so, fast hätten wir es vergessen:
Auf den Eintrittskarten stand, dass die AGB des Veranstalters gelten würden. Beim Kauf der Karten wurden uns diese jedoch weder ausgehändigt, noch zugänglich gemacht, noch wurden wir beim Kauf darauf hingewiesen.

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Ein Kommentar

  1. Der Andere Besucher

    Ich bin ganz froh, dass ein Besucher weniger da ist. Das man Stühle und Getränke nicht mitbringen durfte wurde sogar in den Nachrichten angesagt; von der Pyronalewebseite ganz zu schweigen. Offensichtlich gibt es bornierte Deutsche auf beiden Seiten der Veranstaltung… Und der Vergleich mit Decke und Stuhl als ähnliche Stolperfallen ist so krass an den Haaren herbeigezogen, dass es einen schon schmerzt.

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